Das Beste aus ungefähr zwölf Monaten

Posted in Vermischtes by Kathrin on Januar 11, 2014

Ragnar Kjartanssons S.S. Hangover im Arsenale (Biennale di Venezia 2013) / Rochas F/W 2013 Look 17
 

Anstelle eines langatmigen und überhaupt reichlich verspäteten Jahresrückblicks, gibt es heute ganz kurz und knackig meine Favoriten aus ungefähr den letzten zwölf Monaten. Ungefähr, weil ein Jahr in Wirklichkeit keine in sich geschlossene Einheit ist und das Gedächtnis auch eher selektiv arbeitet, vor allem wenn man nicht jedes Erlebnis photographisch festhält und digital ablegt. Dann stellt sich natürlich die Frage der Herangehensweise. Chronologisch vielleicht, da stünde dann die Simonsche Inszenierung von Sarah Kanes Gesäubert / Gier / 4.48 Psychose der Münchener Kammerspiele, die genau genommen schon im vorigen Jahr Premiere feierte, von mir aber im Februar gesehen wurde, an erster Stelle. Ist natürlich ein bisschen unfair dem zweiten Theaterhighlight gegenüber: Castorf inszeniert im Dezember Balzacs La Cousine Bette an der Berliner Volksbühne. Und spannt dank satinpyjamalastigen Kostümbild den Bogen zu meiner allerliebsten Kollektion des letzten Modejahres: Rochas. Die Herbst/Winterkollektion aus Marco Zaninis Feder vereint beinahe spielerisch Eleganz, Opulenz und Lässigkeit und bleibt dabei auch ein klitzekleines Bisschen altbacken, ohne aber verstaubt oder bieder zu wirken. Eine solche Kombination aus feinem Seidenpyjama und haarigem, aufgerautem Wollmantel hätte ich nur zu gern für ein bisschen venezianisches Dolce Vita durch die beeindruckende, spätsommerliche Kulisse der Biennale spazieren geführt. Zum Beispiel durch die Hafenanlage des Arsenale, in der Ragnar Kjartanssons S.S. Hangover den Flaneur melancholisch-majestätisch in ihren Bann zog.

Rochas F/W 2013 Look 4 und 20

Nach Venedig zog es mich gen Süden in ein gespenstisches Dorf am Meer, die Stimmung erinnerte mehr an Lynch als Fellini. Aber auch hier hätte so ein pastelliges Ensemble aus voluminösem Rock und passender Jacke eine gute Figur gemacht. Begleitet wurde ich von Venedikt Erofeevs Moskau-Petushki – die perfekte Reiselektüre – sowie den Essays von Siri Hustvedt. Das ganze Jahr stand im Zeichen der russischen Literatur, insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass es ein russischer Roman ist, der sich zum Jahresende noch eben den Titel „Neues Lieblingsbuch“ erobert hat. Michail Bulgakows Meister und Margarita ist ein bombastisches Werk, das vergnügt, fesselt und sprachlich helle Funken schlägt. In diesem Sinne: Prosit Neujahr, weiter geht’s!

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