Modelektüre I: Fashion Theory

Posted in Modelektüre by Kathrin on Juli 12, 2013

Ich persönlich bin Liebhaberin des geschriebenen Worts und wünsche dieses auch in modischen Drucksachen wieder zu finden. Das wird aber zusehends schwieriger, auch und vor allem im Netz, da Fotostrecken – ‚visuelle Inspiration’ – natürlich wesentlich leichter zu konsumieren sind, wohin gegen Text mehr Aufmerksamkeit erfordert. Daher bin ich stets auf der Suche nach schriftlicher Substanz zwischen all den kurzlebigen tumblrn, tweets und auch analogen Blättchen, die inhaltlich durch Abwesenheit von Tiefgang glänzen. Aber es gibt glücklicherweise immer wieder wunderbare Ausnahmen. Die liebsten und interessantesten werde ich ab jetzt hier unter dem Oberbegriff „Modelektüre“ vorstellen, ob nun Magazin, einzelner Artikel oder Website.

Den Anfang macht das wissenschaftliche Journal Fashion Theory. Seit 1997 bietet es ein internationales und interdisziplinäres Forum für die Analyse von Phänomenen im Dunstkreis von „ Dress, Body and Culture.“ Die dementsprechend thematisch breit gefächerten Aufsätze sind oftmals durch einen Schwerpunkt gebündelt, Fixpunkte jeder Ausgabe sind aktuelle Buch- und Ausstellungsrezensionen.

Chefredakteurin ist die bekannte Wissenschaftlerin Valerie Steele, die sich seit Jahren für die Modewissenschaft als solche einsetzt und unter anderem den gleichnamigen Studiengang am New Institute in New York betreut. Nebenbei gesagt, ist sie nicht nur eine fachliche Koryphäe, sondern versprüht in Person Witz und Charme, wie es in Wien letztes Jahr bei ihrem Vortrag im mumok zu erleben war. Wer sich also gerne mal, eher einführend, mit der Verbindung von Mode und Kunst beschäftigen möchte, kann den Vortrag hier nachhören.

Trotz der gesteigerten Aufmerksamkeit, die die kritische Betrachtung von Mode in den letzten Jahren erfährt, scheint das Journal jedoch, zu meiner Verwunderung, noch nicht in den Leselisten der modeaffinen Damenwelt angekommen zu sein. Denn obwohl die Aufsätze nicht unbedingt Material für die U-Bahnlektüre sind, irrt derjenige, der glaubt, Fashion Theory  könne nicht auch tagesaktuell relevant sei.

Bestes Beispiel: In der Februarausgabe dieses Jahres findet sich Nick Rees-Roberts Aufsatz The Boys Keep Swinging: The Fashion Iconography of Hedi Slimane. Passenderweise einen Monat vor Slimanes Womenswear-Debüt im Hause Saint Laurent veröffentlicht, untersucht Rees-Roberts Formsprache, Motive und Inszenierungsformen von Slimanes bisheriger Arbeit. Wer hier also zwischen den Zeilen gelesen hatte, konnte sich eine Damenkollektion im Slimanschen Stile bereits ausmalen. Pikanterweise verweist der Autor auch noch auf die gemeinsamen Wurzeln mit Raf Simons, der „iconography of male adolescence,“ wobei er Simons die Vorreiterrolle zuspricht, was Slimane momentan wohl sogar nicht in den Kram passen dürfte.

Bestellt werden kann Fashion Theory über die Website des Verlags, über Universitäten, zb.die Universität Wien können die Aufsätze einzeln heruntergeladen werden. Wer nicht studiert, das Journal aber trotzdem in der Hand halten möchte und nicht über das passende Kleingeld verfügt, kann sich bei Amazon nach gebrauchten Ausgaben umsehen, die zwar nur vereinzelt, aber günstig zu bekommen sind.

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