Mannschaftsaufstellung

Posted in Assoziationskette by Kathrin on Januar 29, 2014

Gut aufgestellt

Gut aufgestellt*: Team Prada fotografiert von Steven Meisel, mal eben digital ins Trainingslager geschickt

Weil mir mein Lieblingsverein momentan verdammt auf die Nerven geht, muss eben mal wieder die Mode herhalten. Ein Leichtes, schließlich war in der Winterpause so einiges auf dem Transfermarkt los (Ghesquière zu Vuitton, Lieblingstrainer Zanini zu Schiaparelli, etc.) und mit den Haute Couture Schauen wurde auch gerade gewissermaßen das textile Championsleague-Finale ausgetragen, ein spannendes Match der höchst sportlich ausgestatten Finalisten Dior und Chanel, das letztendlich das Team um Erfolgscoach Raf Simons für sich entscheiden konnte. Nicht zu vergessen sei auch die Truppe von Miuccia Prada: eben noch die Herbstmeisterschaft gesichert, erreicht die Fans nun pünktlich zum Rückrundenstart das Mannschaftsfoto aus dem alpinen Trainingslager. Im Mittelpunkt: die extravaganten neuen Trikots in Juweltönen. “I want to inspire women to struggle,” so die Trainerin nach dem letzten Spiel, und es ist davon auszugehen, dass die Mannschaft diesen Kampfgeist verinnerlicht hat und auch in den neuen Dressen weiterhin zu Höchstleistungen auflaufen wird. Lediglich die Kaderplanung scheint noch nicht ganz abgeschlossen zu sein, wie sonst ließe sich die zwölfte Frau auf dem Platz erklären?

Demnächst dann an dieser Stelle: die Berichterstattung zur stiefmütterlich behandelten Prada’schen Herrenkollektion, quasi dem Damenfussball der Modewelt.

*Schon klar, dass jetzt wohl das Höchstmaß an Photoshopdilettantismus erreicht ist, aber ist ja schließlich mein Blog, und hier wird wenig Wert auf Perfektion gelegt, umso mehr auf Mut zur digital-dystopischen Lücke.

Das Beste aus ungefähr zwölf Monaten

Posted in Vermischtes by Kathrin on Januar 11, 2014

Ragnar Kjartanssons S.S. Hangover im Arsenale (Biennale di Venezia 2013) / Rochas F/W 2013 Look 17
 

Anstelle eines langatmigen und überhaupt reichlich verspäteten Jahresrückblicks, gibt es heute ganz kurz und knackig meine Favoriten aus ungefähr den letzten zwölf Monaten. Ungefähr, weil ein Jahr in Wirklichkeit keine in sich geschlossene Einheit ist und das Gedächtnis auch eher selektiv arbeitet, vor allem wenn man nicht jedes Erlebnis photographisch festhält und digital ablegt. Dann stellt sich natürlich die Frage der Herangehensweise. Chronologisch vielleicht, da stünde dann die Simonsche Inszenierung von Sarah Kanes Gesäubert / Gier / 4.48 Psychose der Münchener Kammerspiele, die genau genommen schon im vorigen Jahr Premiere feierte, von mir aber im Februar gesehen wurde, an erster Stelle. Ist natürlich ein bisschen unfair dem zweiten Theaterhighlight gegenüber: Castorf inszeniert im Dezember Balzacs La Cousine Bette an der Berliner Volksbühne. Und spannt dank satinpyjamalastigen Kostümbild den Bogen zu meiner allerliebsten Kollektion des letzten Modejahres: Rochas. Die Herbst/Winterkollektion aus Marco Zaninis Feder vereint beinahe spielerisch Eleganz, Opulenz und Lässigkeit und bleibt dabei auch ein klitzekleines Bisschen altbacken, ohne aber verstaubt oder bieder zu wirken. Eine solche Kombination aus feinem Seidenpyjama und haarigem, aufgerautem Wollmantel hätte ich nur zu gern für ein bisschen venezianisches Dolce Vita durch die beeindruckende, spätsommerliche Kulisse der Biennale spazieren geführt. Zum Beispiel durch die Hafenanlage des Arsenale, in der Ragnar Kjartanssons S.S. Hangover den Flaneur melancholisch-majestätisch in ihren Bann zog.

Rochas F/W 2013 Look 4 und 20

Nach Venedig zog es mich gen Süden in ein gespenstisches Dorf am Meer, die Stimmung erinnerte mehr an Lynch als Fellini. Aber auch hier hätte so ein pastelliges Ensemble aus voluminösem Rock und passender Jacke eine gute Figur gemacht. Begleitet wurde ich von Venedikt Erofeevs Moskau-Petushki – die perfekte Reiselektüre – sowie den Essays von Siri Hustvedt. Das ganze Jahr stand im Zeichen der russischen Literatur, insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass es ein russischer Roman ist, der sich zum Jahresende noch eben den Titel „Neues Lieblingsbuch“ erobert hat. Michail Bulgakows Meister und Margarita ist ein bombastisches Werk, das vergnügt, fesselt und sprachlich helle Funken schlägt. In diesem Sinne: Prosit Neujahr, weiter geht’s!

Von flüchtigen Momenten und entrückten Models

Posted in Assoziationskette, Vermischtes by Kathrin on Dezember 6, 2013

Models, open your eyes please! Unter diesem Appell versammelt percevalties eine belustigende Auswahl von Laufstegfotos, die genau jene Sekundenbruchteile festhalten, die vielleicht der Albtraum eines jeden Modeschöpfers sind: die Vision der Frau, die er entworfen hat, zerbröselt. So im Standbild fixiert werden die Models wieder zu sich selbst, ja, sie scheinen ganz bei sich selbst zu sein, fernab des Trubels, der sie momentan umgibt. Ohne den energischen, determinierten Blick, ohne die ihnen aufoktroyierte Rolle, wirken sie plötzlich fremdartig in der Bühnensituation der Modenschau. Unweigerlich versuche ich als Betrachter zu ergründen, wohin sich die Damen gerade wünschen. Welche Bilder sehen sie hinter geschlossenen Lidern?  Vielleicht unberührte Landschaften, ganz nah an der Stille der Natur, abseits von Blitzlichtern und Terminstress? Ich male mir aus, wie sie mit fest verschlossenen Augen geradezu traumwandlerisch den Laufsteg entlang schreiten. Sich unsicheren Schrittes den Weg suchen. Hie und da ein kurzes Verharren. Statt einigen wenigen kurzen aber spektakulösen Minuten könnte die Präsentation der Mode Stunden dauern. Ich stelle mir ungeahnte poetische Qualitäten anstelle des hektischen Zurschaustellens vor. Keinen Weckruf möchte ich den Damen ins Ohr flüstern, sondern: Augen zu lassen!

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Kleinkariertes weiterdenken

Posted in Assoziationskette by Kathrin on November 4, 2013

Martin Kippenberger NGD Hellblau (1987) / Prada F/W13 Look 46 und 7
 

Erste Assoziation: Picknickdecke. Sommerlicher Biergartenbesuch. Vielleicht ein schwingender Petticoat, Fünfzigerjahreidylle. Das blaupastellige Vichymuster ist so eng mit der Dingwelt verknüpft, dass es, auch entfremdet wie etwa in Martin Kippenbergers NGD Hellblau im Kunstkontext, stets mehr bleibt als reine Repräsentation. Gerade dieses Moment spiegelt auch die aktuelle Herbst/Winterkollektion aus dem Hause Prada wider. Das Karo ist einer der Klassiker, der wie ein roter Faden wiederkehrend Miuccia Pradas Kollektionen durchzieht. Doch ausgerechnet das unschuldige Vichykaro wurde hier geradezu bieder auf den Laufsteg gebracht: als weitschwingender Mantel, hochgeschlossener Zweiteiler oder aber als dirndlartig anmutendes Kleid; trachtig, fifties, in keinem Fall aber anders als erwartet. Die typisch markige Schrulligkeit, die man von Prada gewohnt ist, scheint erst auf den zweiten Blick durch. Das Styling lässt erahnen, dass wir es eher mit einer  hitchcockschen Heldin zu tun haben, deren Augen von den düsteren Seiten der heiteren Sommerwelt erzählen. Aber ja, da ist ja noch diese eine Ungereimtheit, allen Assoziationen zum Trotz geht es ja schließlich um Winterbekleidung. Die als Sommergewand hausieren geht und so ganz famos mit den Erwartungen des Betrachters spielt.

 

Lektüreempfehlung in eigener Sache

Posted in Angezogenes, Modelektüre by Kathrin on September 17, 2013

Weil ich mich weigere, den Sommer für beendet zu erklären, trotz trübem Nass vor der Wohnungstüre, ist nun gerade noch der richtige Zeitpunkt um endlich mal über das nevertheless magazine zu sprechen. Es ist eines der seltenen Exemplare von Druckwerk, die vorallem von Herzblut angetrieben werden. Komplett ohne Werbung, mit größter Bedacht auf die Papierqualität versammelt es Photographie, Graphikdesign, Kurzgeschichten und Porträts von Wiener Kreativen. Für die aktuelle Sommerausgabe habe ich einen Artikel über Nina Werner geschrieben, die nicht nur eine außerordentlich begabte Schuhmacherin ist, sondern auch eine liebe Freundin. Die Qualität ihrer feinen Stücke – neben Schuhen fertigt sie nämlich auch allerlei Täschchen, Caps und neuerdings Rucksäcke- konnte ich schon über die letzten Jahre hinweg am eigenen Portemonnaie erfahren. Nun habe ich sie also zum Interview gebeten und mal ganz genau nachgefragt. Ähnlich kontrastreich gemustert wie die sommerliche Lektüre ist auch einer meiner textilen Favoriten: das Seidentuch. Der luftige  Allzeitklassiker, der als so ziemlich jedes Kleidungsstück funktioniert -so man ihn gekonnt um den Körper knotet- spart zudem Platz im Koffer. Das kommt mir gelegen, denn ich mache mich erstmal auf gen Süden. Der Sommer ist noch nicht vorbei. Ciao!

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